Tierschutz hört nicht an der Grenze auf. Auch jenseits des Rheins gibt es viele Tiere in Not, denen geholfen werden soll. Wenn nun Hilferufe aus Deutschland oder gar Frankreich kommen, soll/muss/kann man die Ohren verschliessen? Sicher nicht; vor allem wenn der Platz da ist, das oder die Notfellchens aufzunehmen.
Ein erster Hilferuf von SPA Strasbourg kam bereits im Mai. Dank einer Fahrkette konnte ich die Tiere in der Schweiz übernehmen. Zwei Wochen später die nächste Ladung, welche ich ebenfalls in der Schweiz übernehmen konnte.
Im September die nächste Bitte um Hilfe: aus der gleichen Vermehrung wie im Mai. Einfach weil es Spass machte die Tiere zu vermehren, sie dann in kleinen Makrolon-Boxen zu halten und keinen Schimmer zu haben, was mit ihnen werden soll. Verursacherin war eine alte Dame, die jetzt offenbar ein Einsehen hatte und alle Tiere ins Tierheim verfrachtete.
Nun wollte ich mir selber ein Bild machen, wie es den kleinen Nagern in Strasbourg so geht, ob unser Einsatz gerechtfertigt ist und fuhr selber nach Frankreich. Das Tierheim wurde kürzlich neu gebaut: eine grosszügige Anlage. Vor allem der Bürotrakt. Grosse Zwinger für die Hunde und eine Katzenstation mit Frischluft. Vergessen ging jedoch eine Nagerstation. Ein Hamster, der mitreisen durfte, wurde in der Eingangshalle zwischengelagert. Ein Meerschweinchen, das ich ebenfalls mitnahm, stand mit seinem Käfig irgendwo in einem Gang. Ratten und Mäuse in einem Raum, der vermutlich Putzraum hätte werden sollen. Eigentlich ist es wie überall: viel zu viele Tiere und viel zu wenige Hände. Die Käfige in einem bedauernswerten Zustand. Das Geld für neue Käfige fehlt.
Frankreich hat kein einheitliches nationales Tierschutzgesetz. Im Bereich von Tierhaltung und Tierschutz herrschen katastrophale Missstände, obwohl Tausende von tierlieben Franzosen für das Wohl ihrer Tiere kämpfen. In Frankreich wird nicht nur in kulinarischer Hinsicht der Tierschutz nicht allzu ernst genommen. Im Land von Tierquälereien wie Gänsestopfleber und Stierkampf, in dem Froschschenkel immer noch nicht vom Speiseplan verschwunden sind, werden streunende Hunde und Katzen oftmals einfach eingefangen und getötet, in einigen Regionen sind sie sogar zum Abschuss durch Jäger freigegeben. Umso schlimmer ist es für die Nager: je kleiner, desto unwichtiger.
Die zuständige Tierpflegerin erzählte mir, dass Ratten im Grossraum Strasbourg kaum eine Chance haben, erfolgreich vermittelt zu werden. Der Aufwand, sie im Tierheim zu holen ist vielen zu gross; sie gehen lieber in den nächsten Zooladen und holen sich dort die „passenden“ Tiere. Dabei kümmern sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut um die Pelznasen; die Jungs werden auch immer gleich kastriert. Leider sitzen dort immer noch einige tolle Kastraten, die an einem heissen Tag in einer kleinen Box vor das Tierheim gestellt wurden. Sie haben beinahe gekocht in ihrem eigenen Urin. Jetzt geht es ihnen gut, aber sie warten auch auf ein Zuhause. Mit verschwindend geringer Aussicht darauf.
Ich bereue nicht, dem SPA Strasbourg geholfen zu haben. Praktisch alle Notfellchens haben hier bei uns in der Schweiz einen tollen Lebensplatz gefunden und sind ganz feine Tiere. Es lohnt sich allemal, auch mal über die Grenze zu gucken, ob da passende Tiere zu vermitteln sind.